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Die Bockwindmühle in Ketzür
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Die Mühle
stand 1859 noch in Bornim bei Potsdam, wohin sie
vermutlich von einem früheren, unbekannten Standort umgesetzt, oder
unter Verwendung von Teilen einer noch älteren Mühle errichtet wurde.
Der Tischlermeister Friedrich Henkel aus Ketzür stellte am 2. April 1861
bei der „Königlichen Regierung, Abteilung des
Inneren"
den Antrag „zur Errichtung einer Bockwindmühle auf seinem
Ackerplane daselbst“, wofür ihm laut Urkunde vom 3. Juli 1861 die „landespolizeiliche
Genehmigung erteilt"
wurde. Auf dem dazugehörigen Situationsplan ist sie als Bockwindmühle mit
zwei Mahlgängen beschrieben.
Friedrich Henkel baute dann die Mühle aus Bornim in Ketzür neu auf und
verpachtete sie am 9. April 1862 auf zwei Jahre zu einem Pachtzins von 50
Thaler an den Mühlenmeister Wilhelm Rothbart.
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Danach wurde die
Mühle und eine dazu erbaute Bäckerei von seinem Sohn, dem Mühlenmeister Joachim
Friedrich Karl Henkel betrieben, der 1886 im Alter von 42 Jahren starb. Der
ältere Sohn Max war erst sechs Jahre alt, daher führte seine Frau die Mühle
weiter. In dieser Zeit „geriet ihr Gehilfe, der alte März,
mit seinem Mantel in ein Rad der Mühle und kam dadurch zu Tode".
Der Sohn Max Henkel ging beim Mühlenmeister Pollähn in Butzow in die Lehre
und übernahm nach 3jähriger Gesellenzeit 1898 Mühle und Bäckerei. Am 22.
April 1908 erhielt er den Meisterbrief. Er betrieb die Mühle bis 1955, dann
stellte er den Mühlenbetrieb ein und verpachtete die Bäckerei. Er starb am
24, Dezember 1959 in Ketzür.
Die ungenutzte Mühle geriet danach immer mehr in Verfall, bis 1988/89 das
Dach und die Außenhaut ersetzt und im Fachwerk einige Stiele und Rahm
erneuert wurden. Dadurch wurde der weitere Verfall vorerst aufgehalten.
1991/92 ließ die Eigentümerin der Mühle, Frau Heide Rasak, unter anderem
die Flügel durch den Mühlenbaumeister Zecher erneuem, im September 2001
verkaufte sie die Mühle zu einem symbolischen Preis an die Gemeinde Ketzür.
Der im Dezember 2001 gegründete „Verein zur Erhaltung der
Bockwindmühle Ketzür"
will die Restauration der denkmalgeschützten Mühle initiieren und
unterstützen, damit die überlieferte Art der Getreidevermahlung wieder
gezeigt werden kann.
Als erstes ist eine Sanierung des inzwischen nicht mehr standsicheren
Mühlengebäudes geplant. Dabei müssen viele schadhafte Holzteile
originalgetreu in traditioneller Zimmermannsarbeit ersetzt werden.
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Die Kirche von Ketzür
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Trotz vieler Bäume auf
dem Kirchhof erkennt man auf den ersten Blick: Die lapidare Wucht vieler
märkischer Kirchen der Frühzeit fehlt der Ketzürer völlig. Der Baukörper
strebt mehr in die Breite als in die Höhe statt einfacher Formen zeigt er
Vor- und Rücksprünge, Fachwerkanbauten, Dächelchen und schließlich auf
der Friedhofsseite im Osten einen veritablen Renaissancegiebel.
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Besuchen Sie unsere
Kirche und Sie werden sehen, dass diese aus zwei hintereinander liegenden
Schiffen besteht, die im stumpfen Winkel aufeinanderstoßen und
durch einen bemalten Triumphbogen miteinander verbunden sind. Fast
darunter steht die schöne Renaissancekanzel, wohl damit der Prediger in
beiden Teilen zu verstehen war. Das Ketzürer Prunkstück erscheint jedoch
erst, wenn man an der Kanzel vorbei das vordere Schiff erreicht hat: Ein
Epitaph links an der Nordwand, aber was für eins! Größer als der Altar
und selbst durchaus altarähnlich, reicht es mit seinem Figurenschmuck bis
unter die bemalte Decke, der oberste Engel muss sogar den Kopf neigen, um
nicht anzustoßen. .
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Unten tragen Adam
und Eva eine Sandsteinplatte, auf der zehn Freifiguren in halber
Lebensgröße knien, links drei Männer, Edelleute im Harnisch, hinter
ihnen, zwergenhaft klein, ein Knabe; auf der rechten Seite, sechs
Frauengestalten, alle gleich gekleidet mit Mänteln, Hauben und getollten
Kragen. Hinter den Plastiken erhebt sich ein dreistöckiger Aufbau aus
schwarzem Marmor, darin Alabasterreliefs, die Bilder zur
Erlösungsgeschichte des Menschen zeigen
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Die da knien mit feierlich
gefalteter Hand? - sind Heino von Brösigke und seine Familie: Voran er
selbst und seine Gemahlin Elisabeth von Hacke, hinter ihnen sieben Kinder -
zwei Söhne und fünf Töchter; das Knäblein ist der Enkel Thomas.
Die von Brösigke saßen damals bereits seit zweihundert Jahren in Ketzür und
weitere zwei Jahrhunderte sollten noch folgen, bevor die Herrschaft in
andere Hände kam. Als der alte Heino von Brösigke, er war 1525 in Ketzür
geboren, den Umbau der Dorfkirche zur großartigen Grablege seines Geschlechtes
in Auftrag gab, lag ein langes Leben in brandenburgischen und
magdeburgischen Diensten hinter ihm. Aus zwölf Feldzügen war er gesund
heimgekehrt, zweimal war er mit Kaiser Karl V. vor Metz gezogen, dreimal
als Leibjunker des Kurfürsten Joachim II. gegen die Ungarn.
Aus Dankbarkeit für soviel göttlichen Schutz - sein Bruder zum Beispiel war
1566 vor Metz gefallen - ließ er nun das kleine siebeneckige Ketzürer
Kirchlein um ein chorartiges zweites Schiff erweitern, das größer war als
der gesamte ursprüngliche Bau, gab einen neuen Altar in Auftrag, eine neue
Kanzel, eine Taufe und zuletzt wohl das prächtige Epitaph, dessen
Fertigstellung 1613 er nicht mehr erlebt hat, er starb 1609. Der Bildhauer
des Denkmals hieß Christoph Dehne und stamme aus Magdeburg, wo Heino von
Brösigke Domherr war. Dehne muss sehr produktiv gewesen sein und seine
Grabmäler galten bei Familien, die sie sich leisten konnten, sicher als
Statussymbol.
„Die alte Welt" nennen die Dorfbewohner das Epitaph bis heute, eine
merkwürdige Bezeichnung. Die Vielzahl der Bilder und Figuren bilden
tatsächlich eine Welt ab, eine statische Welt der immerwährenden Bezüge des
Menschen zu Gott, handgreiflich basierend auf dem Sündenfall und
überstrahlt von der Heilswahrheit. Vielleicht aber erkannten sich die
Bauern auch bloß auf unangenehme Weise in den förmlich unter der Last des
Denkmals ächzenden Sandsteinfiguren der Ureltern wieder, und der alte
Spruch kam ihnen in den Sinn: „Als Adam grub und Eva
spann - Wo war denn da der Edelmann?"
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